DIGITALISMUS

 

"Schon mit den ersten Mails die über das knackende Modem geleitet, in groben Pixeln auf meinem Bildschirm erschienen,

hat mich das Internet, hat mich das World Wide Web fasziniert. Ich habe mich früh mit diesem Medium beschäftigt, zu einer Zeit

in der es für die meisten Kunstschaffenden völlig abseitig war, überhaupt nur einen Computer zu nutzen.

 

Allerdings gab es schon in den sechziger und siebziger Jahren Künstler, die sich für digitale Bild- und Formgestaltung interessierten.

Ich glaube es war Petrus Wandrey der den Begriff "Digitalismus" erfunden hat. Ähnlich wie solche Pioniere sehe ich heute keinen Sinn

mehr darin, mit Pinsel und Farbe zu arbeiten, mit analoger Fotografie ebenso nicht.

 

Inzwischen bin ich so etwas wie ein Web-Nomade geworden. Ich bin ständig in diesem digitalen Universum unterwegs.

Meine Bilder, Instellationen und Videos sind assemblierte Fundstücke dieser Wanderungen, visualisierte Notizen, Sammlungen

von Screenshots deren Ursprung ich oftmals nach wenigen Minuten vergessen habe.

 

Man kann meine Bilder als Memento Mori verstehen, mit denen ich mich gegen diese rasende Vergänglichkeit des Digitalen wende.

Ich will Details sichtbar machen, hervorheben was in dem endlosen Strom der Daten an unseren Augen vorüber zieht.

 

Meine Arbeiten, auch meine fotografischen, sind ein Versuch, mich gegen die Flüchtigkeit der digitalen Bilderflut zu stemmen.

Eine Bilderflut mit der die Wahrnehmung getrübt, durch die das Sehen verlernt und alle Sensibilität für die Schönheit, wie für die

Abgründe unseres Daseins aufgelöst wird."

 

Hans Peter Riegel im Gespräch mit Paolo Bianchi, Juli 2006

 

 

 

 

 

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